GEDICHTE UND LIEDTEXTE (1970er-Jahre)

 

W A N T E D

 

I.
im morgentau – im rasen der welt
wagemutige werden gesucht
w a n t e d
all jene, die sich zu taten aufraffen
denn wir sind die kraftlosen
die mutlosen
die schuldigen
die den verfall herbeiführen
den aussichtlosen verfall
mit dem alles zu stinken beginnt

wir stubenhocker sollten uns erheben
und den abenteurern zujubeln
die die welt beim schopf packen
die frische blut in die abgestandene luft sprühen
wenn die welt zu strauß-walzern stirbt
und sich das leben im büro abzuwickeln droht

 

II.
zur mittagssonne – auf der drehkugel
verrückte werden gesucht
w a n t e d
all jene, die eintönige normen brechen
denn wir sind die unnützen
die nutzlosen
die ängstlichen
die der eintönigkeit dienen
der sinnlosen eintönigkeit
in der jedes leben erstickt
wir muffel sollten uns erheben
und den narren zujubeln
die den tod der dinge töten
die frisches blut in die abgestandene luft sprühen
wenn die welt zu strauß-walzern stirbt
die kunst nicht mehr empfunden
sondern ausschließlich verstanden werden muß

 

III.
in der nacht – auf dem schläfrigen planeten
harlekine werden gesucht
w a n t e d
all jene, die ein lachen provozieren
denn wir sind die verbitterten
die leblosen
die mumien
die in traurigkeit wühlen
in der stupfsinnigen teraurigkeit
in der jeglicher lebenswille erstickt
wir trauerweiden sollten uns erheben
und den clowns zujubeln
die den tod der dinge töten
die frisches blut in die abgestandene luft sprühen
wenn die welt zu strauß-walzern stirbt
und lachen nur mehr als ausdruck von schadenfreude existiert

Helmut Kandl