ANEKDOTEN

 

Rumänisches Visum

 

Als ich 1993 mit der Bahn zu Malerwochen in Baia Mare nach Rumänien fuhr, wurde ich an der ungarisch-rumänischen Grenze von einem Zöllner nach meinem Visum gefragt: Ohne Visum müsse ich jetzt eines lösen und 100 D-Mark zahlen.

Ich witterte gleich Betrug – man hörte ja unglaubliche Geschichten – und weigerte mich. Nach einiger Zeit meinte der etwas ratlos wirkende Zöllner, dass ich dann aussteigen müsse. Ich blieb sitzen. Er versuchte, 100 D-Mark zu kassieren. Ich rückte nichts heraus.

Die anderen Zuginsassen „solidarisierten“ sich mit mir und ermutigten mich, einfach sitzen zu bleiben, nicht auszusteigen und nicht zu bezahlen. Der nun völlig ratlose Zöllner, der an einer Eskalation der Situation offensichtlich kein Interesse hatte, fand sind damit ab und verließ den Waggon.

Ähnlich verlief mein nächster Besuch in Rumänien: Der Zöllner versuchte, zu kassieren, ich weigerte mich, und nach einer Weile gab der Zöllner nach …

Ein Künstlerkollege, den ich dann in Baia Mare traf, erzählte mir, er hätte um 100 D-Mark ein Visum an der Grenze gelöst. Ich lachte ihn aus.

Später erfuhr ich, dass ich tatsächlich ein Visum benötigt hätte – unter Umständen an der Grenze zu lösen, um 100 D-Mark.

Johanna Kandl