ANEKDOTEN

 

Nescafé-Straße

 

Georgien oder Grusien (auf Georgisch Sakartvelo), ein Staat mit 4,4 Mio. Einwohnern (davon 3,6 Mio. Georgiern), wurde 1991 unabhängig. Seitdem gibt es immer wieder Probleme mit separatistischen Bewegungen: In Südossetien, Abchasien und Adscharien gab es Bürgerkrieg. Die Machthaber der Separatisten suchen die Nähe zu Russland; die Regierung in Tiflis hingegen versucht, das Nationalbewusstsein zu fördern.

Wie in vielen exsozialistischen Ländern wurden nach dem Kommunismus und nach dem Zerfall der Sowjetunion Namen von Straßen und Plätzen geändert. Selbstverständlich wurden die neuen Straßenschilder nur mehr in der Landessprache Georgisch angefertigt – für Fremde keine einfache Situation! Die georgische Sprache und ihre Schriftzeichen sind so gut wie ausschließlich für Georgier verständlich. Die Sprache ist zudem mit keiner anderen verwandt, wurde uns gesagt, nur mit dem Baskischen gäbe es leichte Ähnlichkeiten.

Die neuen Straßennamen sind vielen Menschen unbekannt, sie kennen nur die alten Bezeichnungen.

Gemeinsam mit den georgischen Schriftzeichen ist auf Straßenschildern das Logo von Nescafé so abgedruckt, wie wir es kennen. Da das Georgische für uns ja nicht entzifferbar ist, hatte man den Eindruck, man würde von der Nescafé-Straße in die Nescafé-Straße gehen und dann auf den Nescafé-Platz kommen, usw.

Ein Bekannter, der kürzlich in Tiflis war, sagte uns, dass habe sich geändert: Nun sei eine Mobiltelefonfirma Sponsor.

Helmut & Johanna Kandl