ANEKDOTEN

 

Fritz, die Krawatte!

 

Meine Mutter legt großen Wert auf Äußeres – auf Kleidung, Frisur, Auto etc. Auch mein Vater und ich wurden entsprechend ihren Vorstellungen hergerichtet.

Im Kleinkind- und Volksschulalter wurde ich an Sonn- und Feiertagen mit Fliege und Hut ausgestattet. Mir war das sehr unangenehm, niemand im Dorf war so gekleidet, und ich wurde oft ausgelacht. Um 1970 herum, als Mittelschüler, waren natürlich auch für mich lange Haare das wichtigste Mittel meiner Auflehnung.

Jahre später – ich wohnte nicht mehr bei meinen Eltern, war verheiratet und arbeitete in einem Büro – nutzte ich gern die Wochenenden, um bei meinen Eltern etwas Zeit auf dem Land zu verbringen. Die ganze Woche im Büro in einem Anzug, trug ich in der Freizeit lieber legere Kleidung. Einmal ging an einem Sonntagvormittag mein Schulfreund Ferdl „schön“ gekleidet für den Kirchgang mit seiner Frau an unserem Haus vorbei. Sofort stichelte meine Mutter gegen meine damalige Frau: „Schau, wie die Edith den Ferdl schön beinand hat!“

Auch mein Vater wurde ständig von ihr zurechtgewiesen: „Fritz, du hast Brösel auf dem Pullover!“ – „Fritz, deine Haare! Hast du einen Kamm mit?“ – „Fritz, deine Schuhe!“ War einmal die Krawatte verrutscht: „Fritz, die Krawatte!“

Helmut Kandl