ANEKDOTEN

 

Bananen

 

1986 hatte ich eine Ausstellung in der Galerie Knoll in Budapest. Meine Mutter fuhr mit dorthin. Eine junge Künstlerin, Rosa E., hatte mich eingeladen, bei ihr zu wohnen. Kurz vorher hatte ich sie bei mir in Wien beherbergt.

Mein Schwager riet meiner Mutter, Bananen mitzunehmen – es gebe keine in Budapest, die Leute seien dort sehr arm.

Das Haus, in dem Rosa wohnte, stellte sich als eine feudale Villa in einem noblen Budapester Außenbezirk heraus – Rosas Vater war Chirurg, ihre Mutter Unternehmerin, der etliche Restaurants gehörten.

Meine Mutter war ganz verwirrt und „erschlagen“ von so viel Eleganz, hatte sie doch ihr ganzes Leben in einem Arbeiterbezirk verbracht, davon 25 Jahre in einer schlecht beheizbaren Baracke.

Wir wurden großzügig bewirtet und untergebracht. Wir hatten nur ein Problem: Was tun mit den vielen Bananen? Wir aßen sie nachts heimlich im Zimmer auf und schmuggelten die Schalen in unseren Handtaschen aus dem Haus.

Johanna Kandl