Helmut & Johanna Kandl
2012 You only live twice, Camera Austria, Graz (hj, p)

Aus dem Nukleus des Aufwachsens im Europa des Kalten Krieges entwickeln wir einen Cluster verschiedener Geschichten, Anekdoten und Bilder, in denen wir geografisch und zeitlich weit Entferntes mit Naheliegendem verbinden; persönlich Erlebtes wird zum Mikrokosmos der (österreichischen) Nachkriegsgeschichte.

Beim Erzählen tauchen immer wieder Inseln der Erinnerungen auf: Helmuts Aufwachsen im östlichsten Winkel der damaligen „freien Welt“ verbindet sich durch die Figur seines Vaters mit der Geschichte Jugoslawiens; das Feld gegenüber dem Kandl’schen Farbengeschäft in Wien wurde Johanna in den 1960er-Jahren zur Projektionsfläche der Fantasie: Was kommt nach dem Feld, Russland oder Leopoldau?

Ereignisse (Erlebnisse) in Bosnien und Herzegowina sowie Serbien der 2000er-Jahre werden mit Johannas Stipendium in Jugoslawien knapp nach Titos Tod (1980/81) und mit Helmuts Arbeit für die Linzer VÖEST-Werke (1974/78) im Verkauf von Bergbaumaschinen ins bosnische Zenica verknüpft. Das Onlinespiel Moschee baba aus dem Jahr 2010, welches im Wahlkampf zur Landtagswahl in der Steiermark 2010 zunächst auf den Webseiten der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ Steiermark) lanciert wurde, setzen wir in Beziehung mit den zerstörten Moscheen von Banja Luka.

So mäandert die Erzählung hin und her, verschränkt verschiedene Techniken ineinander: Foto, Video, Zeichnung, Text … ergeben ein dichtes Geflecht von Assoziationen, verbunden wie Gespräche am Wirtshaustisch, wenn man sagt: „… Übrigens, da fällt mir gerade ein …“