Che Guevarra auf der Alm

Notizen zu einigen Videos von Helmut und Johanna Kandl

 

So wie in den Malereien von Johanna Kandl die kritische Hinterfragung von gesellschaftsrelevanten Themen mit einem Zugang über das persönliche Erleben im Vordergrund steht, so ist auch in den Videos die Erzählung von subjektiven Eindrücken initiiert. Stets ist es die Neugierde und das Interesse an den nur scheinbar nebensächlichen Details, am kaum Vermittelbaren rund um ein Ereignis, die Johanna Kandl bei ihren Untersuchungen antreibt. Seit 1999 nehmen die Videos im Oeuvre den gleichen Stellenwert ein wie die Malereien. Während letztere stets reale Fakten widergeben, die sich auf die Vorlage des fotografischen Motivs beziehen, wird in den Videos dem phantastisch skurrilen Moment größere Aufmerksamkeit gewidmet, da dieses Medium einen wesentlich größeren Spielraum für Inszenierungen und Interpretationen bietet.

Ausgehend von einer optischen Attraktion entsteht Fotografie, die über das generelle

Interesse an Zusammenhängen und Hintergrundinformationen zu weiteren Recherchen führt, wodurch das Thema an Tiefe gewinnt. Die Umsetzung in die für Johanna Kandl typische künstlerische Sprache erfolgt seit der Mitte der 1990er Jahre in einer Kombination aus Malerei und Wort- beziehungsweise Textpassagen. Thematisch umkreist sie immer wieder Varianten von vordergründig Unvereinbarem oder Gegensätzlichem. Griffige Textfragmente aus Wirtschaftsberichten diverser Zeitungen oder zuviel versprechenden Managerhandbüchern in Verbindung mit tatsächlichen, eben nicht virtuellen Marktszenen in meist osteuropäischen Ländern, erzeugen erst beim Lesen in den Köpfen der BetrachterInnen unterschiedlichste Assoziationen und Reaktionen. Die Künstlerin lockt mit ihrer Bildsprache, mit einer hellen, angenehmen Farbigkeit ins Bild, weckt durch scheinbar Vertrautes das Interesse und entlässt schließlich in eine Situation, die nur durch Informationen und den eigenen Wissenshintergrund zu enträtseln ist.

Johanna Kandl stellt stets konkrete Fragen, die wiederum in viele Detailfragen aufsplittern und selten in eine einfache Antwort münden. Das scheint auch niemals die Absicht zu sein, denn die Lust am Hinterfragen öffnet der Künstlerin eine Fülle von möglichen Wegen, denen es nachzugehen gilt und die völlig neue Sichtweisen aufzeigen. Als durchlaufende Konstante im Werk von Kandl kann das Interesse am Menschen schlechthin konstatiert werden. Dies gilt sowohl dem Individuum, mehr aber noch den schier unendlichen Variationen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens.

Das Gesamtwerk ist optisch von einem auffallend positiven wenn auch kritischem Grundtenor durchzogen, der – bewusst gesteuert – die teilweise Unvereinbarkeit und Paradoxie von Bild und Text noch deutlicher vor Augen führt. Der Farbigkeit wird hier eine wesentliche Rolle zugemessen. Improvisierte Marktsituationen am Rande von Großstädten können noch so trist sein, die konkrete, meist helle und klare Farbsetzung verwandelt Ungegenden in durchaus interessante Orte mit vielfältigsten Menschen und deren geschäftlichem Tun. So manches, was zunächst inhaltlich Unbehagen ausgelöst haben mag, verflüchtigt sich in hellem Blau, kräftigem Ocker oder leuchtendem Rot.

Die Tatsache, dass Johanna – seit 1997 gemeinsam mit Helmut – Kandl ausschließlich an Ort und Stelle Fotografiertes als Vorlage verwenden, dass es sich um Aufnahmen handelt, denen zum Teil auch direkte Kontakte mit den Protagonisten vorausgehen, bewirkt Vertrautheit und stimmige Realität. Nach einem Gespräch mit einer Obstverkäuferin, einer Kleider- oder Souvenierverkäuferin, einem russischen Soldaten oder einem Donaupassagierschiffskapitän überträgt sich diese zwischenmenschliche Dimension atmosphärisch in die Fotografie und anschließend in die Malerei.

 

Das Interesse am merkantilen scheint der Künstlerin in die Wiege gelegt zu sein. Ihre Eltern betrieben ein Farbengeschäft in der Brünnerstraße im 21. Wiener Gemeindebezirk, das allerdings der überhandnehmenden Flut an Großmärkten in den späten 1960er und 1970er Jahren nicht stand halten konnte. 2010 verarbeitet Johanna Kandl im Video „Kleine Freuden“ das besondere Interesse ihrer Mutter beim Lesen von Insolvenzanzeigen in Zeitungen. Sie berichtet darin in kurzen Kommentaren mit aufblitzender Schadensfreude im Unterton von Unternehmen wie Microsoft, Aldi, McDonalds, Red Bull und anderen, die in die Zahlungsunfähigkeit bzw. in den Bankrott geschlittert seien. Währenddessen isst sie Pommes frites mit Ketchup und trinkt dazu Bier. Angesichts dieser in die Fiktion transferierten Veränderung des Wirtschaftsmarktes vermitteln Werke wie „Jede Frau hat das Zeug zur Millionärin“, auf dem eine Obstverkäuferin in Tiflis Zitronen anbietet, einen sarkastischen und ironisch realistischen Ansatz. Möglicherweise befinden sich ja einige potentielle GewinnerInnen in der großen freien Szene der freien Märkte am Stadtrand.

 

Seit den späten 1990er Jahren verwenden die Kandls auch Videos als künstlerisches Medium zur Umsetzung ihrer Themen. Meist sind es Auftragswerke für Ausstellungen oder Festivals, für die themenbezogen ein Video entsteht. Dabei delegieren sie selbst immer wieder an MusikerInnen oder SchauspielerInnen um einzelne Szenen in die gewünschte Story einzubauen. Um die nötige professionelle Perfektion für Schnitt und Ton zu erzielen, arbeitet Arne Hektor stets mit Helmut Kandl zusammen.

 

Als eines der früheren und auch komplexesten Videos kann die Arbeit zum Einsteinjahr 2005[1] gesehen werden. „Ajnstain, NOVI SAD – a tribute to Mileva Maric-Einstein“ nimmt seinen Ausgang in einer erdachten biografischen Episode von Albert Einstein und seiner Studienkollegin und ersten Ehefrau Mileva Maric. Der 1904 angesetzte Dialog, der sich nach einer intimen Begegnung im Schlafzimmer zwischen den beiden Protagonisten entwickelt, dreht sich um die Zukunft der gemeinsamen, nun bereits zwei jährigen Tochter Lieserl, die bei den Großeltern in der Vojvodina lebt. Die Wissenschaftler diskutieren, ob es möglich ist, sie 22 Jahre in die Zukunft zu schicken, um sie dann, wenn sie bereits als berühmte Forscher über genügend Zeit und Geld verfügen würden, erziehen zu können. Es ist dem emphatischen Vermögen von Johanna Kandl zuzurechnen, wenn Familiäres, Wissenschaftliches, Geschichtliches und Fiktionales zu einer derart vertraut anmutenden menschlichen Szene zusammenwächst.

Sehr abrupt erfolgt im zweiten Teil des Videos der Schnitt zum nachfolgenden SeeNN Bericht vom 24. 4. 2008, in dem in Form einer amerikanischen Nachrichtensendung von den bevorstehenden Feierlichkeiten zum 85. Geburtstag Nada Novacovic´s, der ehemaligen Präsidentin von Jugoslawien und geistigen Mutter der Vereinigten Staaten des Balkans, berichtet wird. Im Laufe der Sendung kommt die Vermutung auf, dass es sich bei der Frau Präsidentin um die Tochter der Einsteins handeln könnte.

Erst 1987 wurde im Nachlass des Nobelpreisträgers der Hinweis auf die Existenz einer 1902 geborenen Tochter von Mileva und Albert gefunden. Johanna und Helmut Kandl stellten daraufhin Nachforschungen nach der weiteren Lebensgeschichte dieser Tochter in Novi Sad an, blieben allerdings ohne Erfolg.

Mileva Maric konnte auf Grund ihrer außerordentlichen Begabung die Schule bis zur Matura besuchen und als eine der ersten Frauen an der ETH Zürich studieren. Dort lernte sie auch Albert Einstein kennen, und in ihre gemeinsame Zeit fallen alle für Einstein später relevanten Forschungen und Theorien.

Für ihr Video verwendeten die Kandls historische und private Fotografien, aus der Zeit des 2. Weltkrieges, der Regierungszeit Titos, Archivmaterial aus der Nachrichtenagentur Tanjug sowie eigene Aufnahmen und Filme von ihren Reisen durch die ex - jugoslawischen Länder. Die daraus entstandene fiktive Lebensgeschichte der Tochter und die fiktive Geschichte des Balkans unterliegen der Verlockung  eines „Was wäre wenn ...“, und dieses Motto könnte dem „SeeNN“ Bericht, der für einige Irritationen sorgt, vorangestellt werden.

 

Historische und vor allem persönliche Details rund um eine weitere  Nobelpreisträgerin waren auch für das Video „Wir holen uns das goldene Flies“[2] ausschlaggebend. Bertha von Kinsky´s  gescheiterte Gesangskarriere und ihre Flucht nach der heimlichen Hochzeit mit Arthur Gundaccar von Suttner 1876 nach Georgien zu Ekaterina Dadiani, Fürstin von Mingrelien, bilden den Rahmen für dieses Video. Diesmal bildet nicht eine Fiktion das Leitmotiv, sondern die Wiederaufführung von zwei Arien an den „originalen“ Schauplätzen. Bertha von Suttner sang damals auf einem Fest die „Lacharie“ aus Manon Lescaut von Daniel Aubert und sie integrierte in das von ihr verfasst Theaterstück „L´Education de Rosette“ die Arie „La Timbale d´Argent“, das Lied von der silbernen Glocke aus einer Oper von Leon Vasseur.

Von der ehemaligen Sommerresidenz, dem Schloss in Gordi in Georgien, sind heute nur mehr Ruinen erhalten, die nun der jungen Sängerin Megi Chikradze im Frühling 2012 als Kulisse für diese zwei – einst von Bertha von Suttner gesungenen –  Arien dienen. Johanna und Helmut Kandl beleuchten auch hier wieder einen Aspekt, der im allgemeinen Bewusstsein der Bertha von Suttner Rezeption kaum eine Rolle spielt, kennt man die „Friedensbertha“ doch in erster Linie durch ihren Roman „Die Waffen nieder“ sowie ihre langjährige Tätigkeit als Friedensaktivistin. In den neun Jahren in Georgien schrieb sie unter dem Pseudonym B.Oulot Novellen und Romane, gab Musikstunden und sicherte sich dadurch ein Einkommen. Sie führte in der Verbannung zwar ein weniger aufwändiges, ihrem aristokratischen Herkunft entsprechendes Leben, erwies sich jedoch als mutige Frau allen Anforderungen gewachsen. Ebenso wie Arthur begann in diesen Jahren im Kaukasus ihre Laufbahn als erfolgreiche SchriftstellerIn.

 

Um ein Musikstück ganz anderer Herkunft geht es im Video „Goldegg Austria, 24.6.2005“[3]. Der Chor des Gymnasiums von Goldegg studierte das aus der Studentenbewegung der DDR Zeit der 1970er Jahre bekannte Lied „Chommandante Che Guevara“ ein. Gekleidet in die traditionelle Tracht der Gegend, teilweise barfuß in der Wiese vor dem Schloß Goldegg stehend, wirken die Jugendlichen in der Szenerie vertraut und harmonisch. Hört man jedoch auf den Text des Gesungenen so bleibt eine Verunsicherung nicht aus. Was haben die revolutionären Ideen Che Guevaras in dieser so „friedlichen“ alpinen Landschaft Westeuropas im Jahre 2005 verloren? Am Beginn stand eine größere Ausstellung der Kandls im Kulturverein auf Schloss Goldegg. Um nicht nur eine fertige Schau anzubieten und um in Kontakt zur lokalen Szene zu kommen, boten sie dem SchülerInnenchor des Gymnasiums drei Lieder aus der ehemaligen DDR  der 1970er Jahre zur Aufführung an. Die Wahl der Jugendlichen fiel auf das Che Guevara-Lied.

Die vermeintliche Unvereinbarkeit aus Naturidylle und revolutionärem Lied schwindet, angesichts der Begeisterung des Chores und überträgt sich auf die BetrachterInnen.

Das Lied setzte sich als Ohrwurm in den Köpfen der SängerInnen fest und wurde über die Sommerferien hinaus mitgetragen. Die Einbindung in soziale Prozesse ist als grundlegendes Element im künstlerischen Werk von Johanna und Helmut Kandl angelegt.

 

Für die Ausstellung „Ein Volcks’ Lied für alle“[4], die die Kaiserhymne von Joseph Haydn zum Thema hat, greifen die Kandls auf eine frühere Arbeit zurück und verwenden die Aufnahme des vom polnischen Jugendchor „Scherzo“ gesungenen Kaiserliedes als Ausgangpunkt. Sie überprüfen die Hymne auf seine Wurzeln im traditionellen Volkslied und auf aktuelle Interpretationen. Die Videoarbeit war Teil der Sonderausstellung im Schloss Esterhazy in Eisenstadt. Sie zeigt unterschiedlichste Aufnahmen dieses Liedes von ebenso unterschiedlichen MusikerInnen wie SängerInnen. Zusammengefasst wird der Reigen von der Nachbarin der Kandls, Marianne Prenner. Sie sitzt Gemüse schneidend im Gartenhaus und entdeckt dabei im Fernsehen beim jeweiligen weiterschalten immer wieder eine andere Interpretation dieses bekannten Liedes. So hört sie anfangs nur nebenbei die deutsche Fußballmannschaft ihre Bundeshymne singen. Als nächstes trifft sie auf den Jugendchor von Nowy Sacz, die in polnischer Sprache die „originale“, 121 Jahre im Habsburgerreich verwendete Kaiserhymne singen. Das Ensemble Tamburica Uzlop interpretiert genau jenes kroatische Volkslied „Jutro rano“, auf das sich Joseph Haydn in seiner Komposition tatsächlich bezieht. In eine sehr lockere und stimmige Version überträgt die in der queeren Berliner Szene bekannte Band „Prinzessin Hans“ 2014 das Volkslied in die Gegenwart. Abschließend erhebt nun die Nachbarin selbst ihre Stimme und singt a capella das Volkslied. Helmut und Johanna Kandl gelingt es in dieser Arbeit einen Gegenpart zur höfischen, adeligen Welt, in der Haydn seine Auftraggeber hatte, zu setzen. Der Einfluss des einfachen Volksliedes auf die Kaiserhymne ist nicht zu überhören und mag auch mit ein Grund dafür sein, dass diese Melodie bis heute vertraut klingt und ein so genannter Ohrwurm geworden ist.

 

Für das Video „Profit Banka“[5] von 2009 war vergleichsweise wenig Inszenierung notwendig. Helmut und Johanna Kandl hörten beim fotografieren am Volkertmarkt in Wien von den neu entdeckten Pyramiden in Visoko in Bosnien. Die geweckte Neugierde führte sie bald in die 25 km von Sarajewo entfernte Stadt um sich von dieser neuen Sehenswürdigkeit selbst ein Bild beziehungsweise ein Video zu machen. Sie lassen sich von lokalen Führern und begeisterten Kindern die vermeintlich Jahrtausende alten Pyramiden zeigen und filmen die Szenerie ohne durch eigene Inszenierung einzugreifen.

Es war der in Bosnien gebürtige Amerikaner Semir Osmanagić, der die Behauptung aufstellte, dass der Berg in Visoko eine Pyramide sei. Auf die Frage „was macht eine Sehenswürdigkeit aus?“ finden die Kandls relativ schnell Antworten. Mit großer Begeisterung und Einfallsreichtum übernimmt die Bevölkerung die Vermarktung ihrer angeblichen Pyramiden, in allen nur denkbaren Varianten. Das plötzlich erwachte Interesse von BesucherInnen und ExpertInnen aus aller Welt verhilft der Region zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Ähnlich einer Marienerscheinung zieht auch die Pyramidenentdeckung Menschenmassen an, weckt Neugierde oder Hoffnung und ist auf jeden Fall eine Attraktion. Tausende BesucherInnen kommen jährlich ins Tal der Pyramiden. Da es sich um keine religiöse Pilgerstätte handelt, kann sich der blühende Tourismus in Visoko auch einen Nachtclub erlauben. In der einzigen inszenierten Szene in diesem Video stellt ein Vertreter des „Creative Investments Department“ die interessante und möglicherweise gewinnbringende Sachlage der Pyramidenentdeckung dar. Sehr schnell haben sich tatsächlich Bankenfilialen in Visoko angesiedelt um am boomenden Tourismusgeschäft Teil zu haben.

 

Eine Arbeit mit ausschließlich persönlichem Inhalt finden wir im Video „Brünnerstrasse 165“.  Hier setzt sich Johanna Kandl mit ihrer Kindheit auseinander und verwendet dazu alte Filme, die ihr Vater gedreht hat als sie circa 5 Jahre alt war. Johanna taucht im wahrsten Sinn des Wortes in die Kindheit ein. Sie steigt als erwachsene Frau nackt in den alten, mittlerweile fast zugewachsenen Teich und gibt sich am Rücken liegend der Erinnerung hin. Das gleichmäßige Atmen der eben Untergetauchten bleibt die einzige akustische Zutat zu den fröhlichen Filmaufnahmen der Familie im sommerlichen Garten die nun eingeblendet werden. Während der Bruder in seiner Tarzanbadehose auftritt und die Mutter im Unterkleid durch die Wiese geht, läuft Johanna nackt herum. Sich gegenseitig mit dem Wasserschlauch nass zu spritzen und abzukühlen scheint ein wirkliches Vergnügen gewesen zu sein. Auch als Blumen gießendes Mädchen läuft Johanna nur mit Stutzen und Schuhen bekleidet durch den Garten. Johannas Erinnerung endet, sie steigt wieder aus dem Wasser und verschwindet im Gebüsch. Während öffentliche Nacktheit in den späten 1950er Jahren im allgemeinen noch eine den Kindern vorbehaltene Freiheit darstellte, eine unbekleidete Frau dagegen in den Bereich der Pornographie verwies, hat sich dieses Verhältnis in den letzten Jahren völlig verkehrt und ist neu konnotiert.

 

Johanna und Helmut Kandl sind in ihrer Arbeit mit Soziologen vergleichbar, die ihre empirischen Forschungen in Form von Malereien, Fotografien und Videos präsentieren. Als gemeinsames Merkmal findet man in den Videos vor allem speziell beleuchtete Details und Erzählungen rund um historische Personen. Ob es nun Mileva Maric-Einstein, Bertha von Suttner, Che Guevarra, Joseph Haydn, oder die Künstlerin selbst ist, bei allen szenischen Umsetzungen schwingt ein theatralischer Aspekt mit einem skurril ironischen Unterton mit. Angesichts einer verknappten Erzählung, wie sie etwa das Video „Wir holen uns das goldene Flies“ bietet, ist meist eine vertiefende Recherche durch die RezipientInnen gefordert, um die Zusammenhänge und Akzentsetzungen  besser verstehen zu können.

Helmut und Johanna Kandl setzen sich stets investigativ mit dem jeweiligen Thema auseinander, treffen aber in manchen Fällen die Entscheidung zum Transfer in die Fiktion, die sich als eine wesentlich interessantere und reichere Lösung als die schlichte Narration der Fakten erweist.

Innerhalb der österreichischen Videokunst nehmen die Kandls eine Sonderstellung ein. Sie bewegen sich zwischen einem pseudodokumentarischen, einem interventionistischen und einem fiktiven Ansatz und genau diese Mischung, die in Ausstellungen mit Malerei und Fotografie kombiniert wird, beschert ihnen als unverkennbares Charakteristikum einen festen Platz in der europäischen Kunstgeschichte.

 

Michaela Nagl in Johanna Kandl – Konkrete Kunst, Sammlung Essl, 2015



[1] Anlässlich der Veröffentlichung der Relativitätstheorie 1905. Einstein Forum Potsdam

[2]  entstanden anlässlich der Ausstellung „L`Education de Rosette - Bertha von Suttner und der Kaukasus“ auf Schloss Harmannsdorf/NÖ, kuratiert von Brigitte Huck, 2012

[3] entstanden anlässlich der Ausstellung „Willkommen im Lido Park“ im Kulturverein Schloss Goldegg, 2005

[4] Sonderausstellung im Rahmen der Dauerausstellung „Haydn explosiv“ im Schloss Esterhazy in Eisenstadt, kuratiert von Vitus Weh, 2014

[5] entstanden im Rahmen des Projektes „storyteller“.