WAIT FOR THE PANIC.
THEN, CALMLY, BUY.

Johanna Kandl setzt in ihren Arbeiten bei der „Naturalisierung“ des marktwirtschaftlichen Prinzips an: Die von ihr verwendeten Texte suggerieren ebenfalls – wie es der neoliberalen Doktrin entspricht - die Natur und damit Unausweichlichkeit neoliberaler Gesetze. Hingegen eröffnen die Motive – die in Übertreibung oder im Kontrast mit diesen Aussagen stehen- im Verhältnis zum Text einen Raum der Kritik und des Widerspruchs. Die, man ist fast versucht zu sagen, grelle Farbgebung Kandls und die mitunter plakative Malweise übersteigert die Szenen ins Künstliche und nimmt dem Dargestellten aufgrund genau dieser Artifizialität seinen „natürlichen  Charakter“. Dadurch gelingt es ihr, einen Raum zur kritischen Auseinandersetzung mit medialen und mentalen Bildern zu schaffen und kulturelle Stereotypen gleichzeitig zu hinter fragen. Dies unterläuft, die „Beherrschung der Lernfähigkeit, des Denkens, der Imagination und der kommunikativen Aktivität“ durch das „Kapital“, vor der André Gorz warnt. Seiner Meinung nach spielen sich die neuen Schauplätze der gesellschaftlichen Auseinandersetzung daher künftig dort ab, wo „Wertvorstellungen, Orientierungs- und Selbstbestimmungsfähigkeiten auf dem Spiel stehen...(Gorz, 2000, 98). Die Vorstellung eines freien Marktes und die Gleichsetzung von Markt mit menschlicher Natur ist eine solche Wertvorstellung, die das Denken, die Imagination und die Kommunikation der Menschen zunehmend durchdringt. Wer sich diesen wirtschaftlichen Entwicklungen widersetzt, sich weigert, ist dem Untergang geweiht. Nicht von ungefähr greift Kandl in einem ihrer kürzlich gemalten Bilder einen von Tony Blairs Antrittsslogans auf: „Modernize or Die!“ Dieser Satz demonstriert die Unausweichlichkeit einer durch und durch ökonomisierten Existenz. Kandl bricht dieses Naturgesetz auf, indem sie scheinbar fixierte Selbstverständlichkeiten und daraus resultierende Benachteiligungen in Frage stellt und ihren gesellschaftlich produzierten und konstruierten Charakter deutlich macht.

Barbara Steiner