Helmut & Johanna Kandl
LEDO CALL – eine Konferenz, 2013
Holz, Papier und Karton, 58 × 81,5 x 10 cm

Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, und niemand wird bezweifeln, dass er seine Daseinsberechtigung hat, dann muss es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann. – Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften

Die „Lenin“ stampft durch das Eismeer, das berühmte, stolze Schiff präsentiert sich von seiner schönsten Seite: In den eleganten Interieurs glänzen die Holztäfelungen in warmen Farben, alles

blitzt vor Sauberkeit …

Von den Wänden blicken die Porträts von Jurij Gagarin und dem jungen Fidel Castro …

Auf dem Tisch im Offiziersspeisesaal sind die Tischkarten für das Treffen schon verteilt:

Lange war an der Sitzordnung und der Einladungsliste gefeilt worden.

Gabriele Gast, Markus Wolf, Richard Sorge, Mata Hari, Günther Guillaume, Alfred Redl, Julius und Ethel Rosenberg, Louise de Bettignes, Aldrich Ames, Valerie Plame, Kim Philby …

Manche Namen klingen bekannt, bei Gabriele Gast oder Günther Guillaume kommt eine fast nostalgische Erinnerung an den Kalten Krieg auf …

Wer wird tatsächlich an dem Treffen teilnehmen?

Wer wird die mit den Tischkarten bezeichneten Plätze einnehmen?

Der Raum ist abhörsicher, Mobiltelefone funktionieren hier nicht …

Selbstverständlich kennt man die Erfolgreichen der Branche nicht: Unauffällig leben sie in ihren hübschen Villen … Unbeachtet sitzen sie am Rechner …

Der Bug der „Lenin“ durchbricht das Eis, beobachtet von den Eisbären …