Abb.: Alte Veranda mit „Onkel Fritz“ (Großonkel mütterlicherseits), ca. 1950

 

Abb.: Hof, ca. 1980

 

Abb.: Garten, ca. 2012

 

Helmut & Johanna Kandl
GESCHICHTE + KONZEPT

Die Amtsstraße ist der alte Kern von Jedlersdorf, einem Weinviertler Bauerndorf, das auf einer Insel entstand, umgeben von den Seitenarmen der Donau. Heute ist Großjedlersdorf ein Teil von Floridsdorf, das 1905 als 21. Gemeindebezirk zu Wien kam.

Johannas Familie mütterlicherseits war jahrhundertelang eine Bauernfamilie, die neben der Kirche wohnte. Die Urgroßmutter lebte hier, und der Erbe, ihr Sohn Fritz, Johannas Großonkel, verkaufte das Anliegen Amtsstraße 28 in den 1960er-Jahren an Johannas Eltern; Johanna bekam es dann 2001.

Das Haus war seit der Zwischenkriegszeit nicht mehr landwirtschaftlich genutzt worden, alle Gebäude des ehemaligen Bauernhofs waren in kleine Wohnungen mit niedrigem Standard umgebaut worden. Noch in den 2000er-Jahren waren die Mieteinnahmen so gering, dass an längst fällige Renovierungen bzw. zeitgemäßen urbanen Umbau nicht zu denken war. Zu Beginn der 2010er-Jahre zogen einige Mieter_innen weg oder starben, sodass etliche der Kleinwohnungen frei wurden. Gleichzeitig stiegen die Immobilienpreise in Wien.

2012 war das Dach, vor allem im Hinterhaus, bereits stark renovierungsbedürftig. Ein Verkauf der Immobilie hätte ziemlich sicher zum Abriss des schönen und traditionsreichen Gebäudes geführt, weshalb wir uns zu einem Umbau entschlossen.

Einerseits wollten wir das Haus in seinem Aussehen möglichst erhalten, andererseits musste es dem Standard urbanen Lebens im 21. Jahrhundert entsprechen; auch hatten wir das Ziel, die Fläche des Hofs und Gartens weitgehend zu belassen. Die Kosten zur Erreichung dieser Ziele mussten zumindest durch Verkauf der parifizierten Wohnungen gedeckt sein, wenn möglich sollte uns etwas übrig bleiben.

Vor allem haben wir die Amtsstraße 28 von vornherein auch als gesellschaftliches Projekt verstanden, in dem wir ausprobieren, unübliche Wege zu gehen.