Helmut Kandl
LOKAL, 2016

Abb.: Detail des Plans von Großjedlersdorf mit eingezeichneten Wohnorten der Künstler_innen

Johanna kommt aus Großjedlersdorf, einem Teil des Wiener Bezirks Floridsdorf.

Ihre Familie wohnt dort seit vielen Generationen, sie betrieb auch eine Landwirtschaft.

Im ehemaligen Bauernhaus der Familie in der Amtsstraße haben wir ein Atelier und eine Wohnmöglichkeit (Link AJ 7 1-6). In der Amtsstraße gibt es drei sehr gute Heurigen, Weinlokale mit eigenen Weingärten am nahen Bisamberg.

Peter Bernreiter und Karl Lentner, zwei Heurigenwirte, baten Johanna, doch Arbeiten in ihren Gaststätten (Lokalen) zu zeigen, wo sie doch vom Dorf kommt.

Die Betreiber sind sehr nett, und ihr Anliegen war begrüßenswert, aber es war nicht möglich, dort die empfindliche Temperamalerei zu zeigen.

Helmut hatte die rettende Idee: In beiden Lokalen zeigten wir gleichzeitig Arbeiten aus Helmuts privater Sammlung. Die ausgewählten Werke sind in Helmuts Besitz, und die Autor_innen stammen aus Großjedlersdorf oder lebten und arbeiteten hier.

Zwei glückliche Umstände begünstigten das Vorhaben. Die Arbeiten aus Helmuts Sammlung sind meist keine teuren Unikate, sondern Fotografien und Druckgrafiken. Außerdem gab und gibt es seit 1945 eine Reihe von renommierten Künstler_innen, die im Umkreis von einigen Hundert Metern nahe der Amtsstraße leben oder lebten.

Der akademische Bildhauer Karl Nieschlag lebte bis 1975 hier, Hermann Nitsch hat in seiner Studentenzeit bei ihm im Atelier gearbeitet.

Helmut dokumentierte Nieschlags Arbeiten im öffentlichen Raum.

Mit den Schauspielern Bernhard Dechant und Petra Staduan, beide auch aus der Amtsstraße 28, hatten wir bereits Videoarbeiten gemacht.

Zur Ausstellungeröffnung kamen viele Besucher_innen vor allem aus dem Ort, und es wurden Erinnerungen und Geschichten ausgetauscht.

Die Sendung Leporello (Radiosender Ö1) berichtete darüber, was auch die Lokalbesitzer freute.